Qualitätsmanagement in der Kultur – Fluch oder Segen?

28. September 2012 1 Kommentar

Qualitätsmanagement beschreibt alle organisatorischen Maßnahmen, die der Verbesserung der Prozessqualität, der Leistungen und Produkten jeglicher Art dienen. Kulturnutzer verstehen sich längst als Kunden, die hohe Ansprüche an die Professionalität und Qualität stellen.

Vorreiter für Einführung eines verbindlichen Qualitätsmanagementsystems mit vergleichbaren Standards sind die Musikschulen, Museen und Bibliotheken, die sich schon lange über Zertifikate und Qualitätssiegel Gedanken machen und auch erfolgreich umsetzen.

Doch was ist mit Theatern, Orchestern und der bildenden Kunst? Ist es nicht ein Eingriff in die gesetzlich verankerte künstlerische Freiheit? Qualitätsmanagement heißt nicht nur Evaluation, sondern die Einführung von Standards und Kriterien, um vergleichbar zu sein ohne seine Besonderheit zu verlieren. Wie kann Qualität gemessen werden? Sind Besucher- und Verkaufszahlen aussagekräftig für die Qualität einer Inszenierung oder gilt der Grundsatz: Kunst darf alles und nichts muss gefallen? Oder: Je höher der erzielte Preis, umso höher die Qualität? Was bedeutet es für Kunstwerke qualitätsvoll zu sein? Muss Kunst, egal ob an Theatern oder in Museen, nicht auch Standards erfüllen und sich messen lassen an erreichten Zuschauerzahlen und einer Einspielquote?

Diese Fragen gilt es für den Kulturkonvent zu klären bzw. eine Empfehlung zu entwerfen wie mit diesen Fragen umzugehen ist, um die Vielfalt und Einzigartigkeit unserer Kulturlandschaft langfristig zu erhalten, Qualität zu sichern und öffentliche Mittel nachhaltig einzusetzen.

Pressemitteilung

18. August 2012 2 Kommentare

Persönliche Erklärung des Moderators des Kulturkonvents

In den letzten Tagen wurde der Moderator des Kulturkonvents Sachsen-Anhalts, Olaf Zimmermann, verschiedentlich dazu aufgefordert, sich zu den geplanten Kürzungen des Landes Sachsen-Anhalt für das Anhaltinische Theater in Dessau zu äußern.

Heute nimmt der Moderator des Kulturkonvents, Olaf Zimmermann, in einer persönlichen Erklärung Stellung: „Mein Ziel, aber auch das der Mitglieder des Kulturkonvents Sachsen-Anhalt, ist es im Konvent den Boden für eine erfolgreiche mittel- bis langfristige Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt zu bereiten. Ich denke, ich kann für alle Kulturkonventsmitglieder sprechen, wenn ich sage, dass es für uns alle eine Herzensangelegenheit ist, Vorschläge zu machen, das reichhaltige kulturelle Erbe zu erhalten, die Kultureinrichtungen weiterzuentwickeln, die zeitgenössische Kunst und Künstler zu fördern, die Kulturvermittlung zu stärken und die Chancen der Kulturwirtschaft zu erweitern.

Unsere Aufgabe ist es, Ideen zu entwickeln, wie diese Ziele vor dem Hintergrund einer extrem schwierigen demografischen und finanziellen Entwicklung in Sachsen-Anhalt realisiert werden können. Das Land Sachsen-Anhalt wird aller Voraussicht nach spätestens mit dem Auslaufen des Solidarpaktes II und dem Verlust des Status als Ziel 1-Region der EU-Förderung ab dem Jahr 2020 deutlich weniger Finanzmittel zur Verfügung haben. Darüber hinaus wird die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt voraussichtlich unter die 2 Mio. Grenze fallen.

Kerngedanke des Kulturkonvents ist es, jetzt Perspektiven für eine erfolgreiche Kulturpolitik vor diesen Rahmenbedingungen zu entwickeln. Ebenso wie der Kulturkonvent unbeeinflusst von der Landesregierung seine Arbeit wahrnimmt, sollte er sich nicht in die aktuelle Kulturpolitik einmischen. Dabei ist allen bewusst, dass kulturpolitische Entscheidungen heute Auswirkungen auf die Zukunft haben. Dennoch müssen wir den Spagat wagen, möglichst unbeeinflusst von aktuellen Entwicklungen die genannten Perspektiven zu entwerfen.

Der Kulturkonvent wird sich Anfang nächsten Jahres daran messen lassen müssen, ob es ihm gelungen ist, tatsächlich in die Zukunft zu denken und realisierbare Vorschläge für eine neue Kulturpolitik des Landes zu machen oder ob es beim „weiter so“ bleibt. Jetzt bei jeder Entscheidung des Kultusministers, das Menetekel des Scheiterns des Kulturkonvents an die Wand zu malen, hilft nicht weiter. Erfolg und Scheitern des Kulturkonvents darf nicht an kulturpolitischen Einzelentscheidungen hängen, so zentral und bedeutsam sie selbstverständlich für jede betroffene Einrichtung sind, sondern am Gelingen eines Gesamtkonzepts. Dafür muss über die Grenzen der künstlerischen Sparten gedacht und Solidarität eingeübt werden. Ich bitte alle Kulturverantwortlichen und die Medien in Sachsen-Anhalt uns bei diesem schwierigen Weg zu unterstützen.“

Kategorien:Kulturpolitik

Das Sächsische Kulturraumgesetz – Ein Modell für Sachsen-Anhalt?

Letzte Woche hatte der Kulturkonvent auf seiner letzten öffentlichen Tagung im Wasser- und Schifffahrtsamt Besuch aus Sachsen. Klaus Winterfeld, Kulturamt Dresden, berichtete von der Entstehung, den Veränderungen, den Vor- und Nachteilen sowie einer möglichen Übertragung des Sächsischen Kulturraumgesetzes auf Sachsen-Anhalt. Die Vorteile dieses Gesetzes liegen auf der Hand: Bildung von kommunalen Zweckverbänden zu Kulturräumen, Planbarkeit durch die festgeschriebene Höhe der Zuwendungen für Kultureinrichtungen, die Pflichtigkeit der Kulturförderung (keine freiwillige Leistung mehr) und die Entstehung von eigenen Förderrichtlinien. Besonders hervorgehoben wurde – durch die Erfahrungen von Ulf Grossmann, langjähriger Kulturbürgermeister in Görlitz, der das Gesetz und seine Wirkungen in der Oberlausitz seit der Einführung begleitet hat, – die Stärkung und Herausbildung der regionalen Kultur und Identität. Peter Lönnecke, Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, erläuterte kompetent die Funktionsweise und die Schwieirgkeiten des Gesetzes, sprach aber ebenfalls von einem Erfolgsmodell.

Was meinen Sie: Sollte sich der Kulturkonvent für eine modifizierte Einführung des Sächsischen Kulturraumgesetzes aussprechen? Wo sehen Sie die Vorteile oder auch Probleme und wie könnte man sie lösen? Für alles Interessierten kann hier der Vortrag von Klaus Winterfeld und seine Präsentation nachgelesen werden.

Das Sächsische Kulturraumgesetz

Mit dem Sächsischen Kulturraumgesetz verfügt der Freistaat Sachsen seit 1994 über ein Finanzierungsmodell, dass die kulturelle Infrastruktur zur Pflichtaufgabe der Kommunen erklärt und eine verbindliche Lastenteilung zwischen dem Land und den kommunalen Gebietskörperschaften sichert.

Kann dieses Modell für Sachsen-Anhalts Kulturlandschaft eine Option für die Zukunft sein? Wie könnte eine Umlandfinanzierung gerecht aussehen? Wie müsste das Modell an die Gegebenheiten und Besonderheiten angepaßt werden? Welche Vor- und Nachteile gibt es? Diese Fragen diskutiert der Konvent am Donnerstagnachmittag, den 12. April, ab 14 Uhr, auf seiner nächsten öffentlichen Sitzung im Wasser- und Schifffahrtsamt, Antoniussaal (1. OG), Fürstenwallstraße 19/20, 39108 Magdeburg. Am Vormittag wird es um die Bestandsaufnahme gehen. Wer Zeit und Lust hat, kann gern vorbeischauen und der Diskussion folgen.

Klaus Winterfeld, Amt für Kultur und Denkmalschutz Dresden, wird einen einleitenden Vortrag zur Funktionsweise des Sächsischen Kulturraumgesetzes halten und danach stehen Ulf Grossman, Kulturbürgermeister a.D. Görlitz und Präsident der Kulturstiftung der Freistaates Sachsen, und Peter Lönnecke, Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, für Fragen und Diskussion zur Verfügung.

Hier das Sächsisches Kulturraumgesetz – Sächs.KRG_akuell und bei Wikipedia

Der Kulturinfakt oder die Frage nach der Kulturförderung

Seit vor knapp zwei Wochen im „Spiegel“ der Artikel „Die Hälfte? Warum die Subventionskultur, wie wir sie kennen ein Ende finden muss“ der vier Autoren Armin Klein, Pius Knüsel, Stephan Opitz und Dieter Haselbach, erschien, steht die Kulturpolitik Kopf und eine intensive Debatte über die Kulturlandschaft in Deutschland hat eingesetzt. Da die angesprochenene Themen bzw. Behauptungen auch unmittelbar die Arbeit des Kulturkonvent berühren, rufen wir hier zur Diskussion auf.

Was meinen Sie? Brauchen wir nur noch die Hälfte an Kultureinrichtungen in Sachsen-Anhalt? Ist „Kultur für alle“ wirklich gescheitert? Muss Kultur sich immer „rechnen“? Sind öffentlich geförderte Einrichtungen innovationslos? Befindet sich die Kulturpolitik in einer Krise?

Hier einige Stimmen zum Buch

http://www.sueddeutsche.de/kultur/debatte-um-streitschrift-der-kulturinfarkt-lieber-ein-streit-der-sich-lohnt-1.1311177

http://www.zeit.de/kultur/2012-03/kulturinfarkt-debatte

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kultursubventionen-der-denkinfarkt-11684183.html

Kulturwirtschaft in Sachsen-Anhalt

Die Arbeitsgruppe 3 „Kulturpolitik im übergreifenden Zusammenhang“ hat sich auf ihrer ersten Sitzung am 14.3. in Magdeburg mit der Situation der Kulturwirtschaft in Sachsen-Anhalt beschäftigt. Grundlage der Diskussion war der Kulturwirtschaftsbericht Sachsen-Anhalt 2006 und das Monitoring zu wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft (2009), die feststellten, dass sich die Kulturwirtschaft – trotz Wirtschaftskrise 2009 – dynamisch entwickelt und zu den Wachstumsbranchen zählt.

Was ist Kulturwirtschaft? Sie umfasst alle Wirtschaftsbetriebe und erwerbswirtschaftliche Aktivitäten, die für die Vorbereitung, Schaffung, Erhalt und Sicherung von künstlerischer Produktion, Kulturvermittlung und/oder medialer Verbreitung Leistung erbringen oder Produkte herstellen oder veräußern. Der wirtschaftlich verbindende Kern jeder kultur- und kreativwirtschaftlichen Aktivität ist der so genannte schöpferische Akt. Damit sind alle künstlerischen, literarischen, kulturellen, musischen, architektonischen oder kreativen Inhalte, Werke, Produkte, Produktionen oder Dienstleistungen gemeint, die als wirtschaftlich relevanter Ausgangskern den verschiedenen Teilmärkten (Verlagswesen, Film- und Rundfunk, Musik, Journalisten, Museumsshops, Architekturbüros und Design) zugrunde liegen. Die Kulturwirtschaft ist stark mit öffentlich geförderten Einrichtungen vernetzt, was auf beide Seiten stimulierend wirkt.

Sachsen-Anhalt hat mit der Designwirtschaft, sowohl historisch als auch gegenwärtig in der Ausbildung und den kreativen Szenen rund um Halle und Magdeburg, und mit der Film- und Medienwirtschaft zwei herausgehobene Schwerpunkte in der Kulturwirtschaft, die es weiter zu fördern gilt. Die Designwirtschaft und insbesondere das Industriedesign nimmt bundesweit einen Spitzenplatz ein. Die AG 3 wird sich auf ihrer nächsten Sitzung weiter mit dem Thema beschäftigen.

Weniger und doch mehr… Chancen im demografischen Wandel

2. März 2012 2 Kommentare

Philipp Oswalt, Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, schreibt in seinem Beitrag Kunst des Verdichtens, in der aktuellen Ausgabe von politik & kultur: „Wenn wir weniger werden, werden wir zusammenrucken müssen, Dinge vernetzen und auch in größeren Räumen denken müssen. Weder können wir uns dann erlauben, in einem Ressortdenken zu verharren, noch kann es sein, dass jede Kommune sich nur um sich selbst kümmert. Um aus den gewohnten Denk- und Verwaltungsmechanismen auszubrechen, müssen neue Formen der Zusammenarbeit etabliert werden, wie die Internationale Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt erfolgreich gezeigt hat. Wichtig ist hierbei, Schwerpunkte zu setzen und regionale Themen zu profilieren. Nur so lassen sich die weniger werdenden Ressourcen produktiv einsetzen und die verschiedenen Akteure auf gemeinsame Ziele verpflichten.“

Sachsen-Anhalt wird älter und weniger. Seit 1990 hat das Land rund 19 % seiner Einwohner verloren und bis zum Jahr 2025 wird die Zahl nochmals um 18,6 % zurückgehen. Dann werden weniger als 2 Mio. Menschen hier leben. Besonders betroffen wird der ländliche Raum, u.a. die Landkreise Mansfeld-Südharz oder Wittenberg sein, wo die Bevölkerung um ca. 27% zurückgeht. Der demografische Wandel hat Auswirkungen auf den Wohnungsbau, die Infrastruktur, den Arbeitsmarkt, das Gesundheits- und Sozialsystem, die finanzielle Situation und ebenso auf die Kulturlandschaft und ihre Kulturangebote. Gefragt sind Ideen wie man trotz des demografischen Wandels, dem Ende des Wachstums die Bürgergesellschaft aktivieren und Kulturangebote aufrecht erhalten kann. Die IBA Stadtumbau 2010 hat dafür bereits viele Impulse und Ideen für die Städte geliefert, die sie hier nachlesen können…

Welche Projekte (Bsp. Fahrbibliotheken, Mehrgenerationenhäuser) gibt es in Ihrer Region, in Ihrem Landkreis, in Ihrer Stadt? Welche Ideen haben Sie für die Zukunft? Schreiben Sie uns und disktuieren Sie mit!